Gerrit Komrij (1944–2012) zählt zu den vielseitigsten und markantesten Stimmen der niederländischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Geboren am 30. März 1944 im ostniederländischen Winterswijk, begann er bereits während seiner Schulzeit zu dichten. Nach dem Abitur zog er 1962 nach Amsterdam, um Allgemeine Literaturwissenschaft zu studieren, brach das Studium jedoch ab und widmete sich ganz dem Schreiben.
Sein eigentliches literarisches Debüt gab Komrij 1968 mit dem Gedichtband „Maagdenburgse halve bollen en andere gedichten“. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte er sich zu einem außergewöhnlich produktiven Autor: Er schrieb Gedichte, Essays, Romane, Theaterstücke und autobiografisch gefärbte Prosa wie „Verwoest Arcadië“ (1980). Gefürchtet und geschätzt zugleich war er als scharfzüngiger Literaturkritiker, unter anderem für NRC Handelsblad und Vrij Nederland.
Nur der Tod hat eine Zukunft.
Besonders prägend wirkte Komrij als Anthologe. Seine 1979 erschienene Anthologie der niederländischen Poesie des 19. und 20. Jahrhunderts formte den literarischen Kanon neu und wurde zum Standardwerk – im Volksmund liebevoll „De Dikke Komrij“ genannt. Weitere Anthologien, etwa zur afrikaansen Dichtung, folgten.
1993 erhielt er den P.C. Hooft-Preis, die bedeutendste literarische Auszeichnung im niederländischen Sprachraum. Im Jahr 2000 wurde er zum ersten „Dichter des Vaderlands“ (Nationaldichter der Niederlande) gewählt, ein Amt, das er bis 2004 innehatte.
Seit 1984 lebte Komrij zeitweise in Portugal, gemeinsam mit seinem Lebenspartner Charles Hofman. Er starb am 5. Juli 2012 in Amsterdam nach kurzer Krankheit. Sein virtuoser, farbenreicher Sprachgebrauch und sein unbestechlicher Blick auf Literatur und Gesellschaft machen ihn bis heute zu einer der einflussreichsten Figuren der niederländischen Literaturgeschichte.
